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Hartmut Bohme

Eine Reise in das Innere der Körper und darüber hinaus. Die Kunst der Alicja Zebrowska

Identifiziertes plastisches Objekt: Exposition
Es ist sehr einfach: ein grell rotes Rohr bon sechs Metern Länge verbindet zwei aufragende, beschneite Felsnasen auf dem Gipfel des Tatra–Gebirges. Hier ist (noch) alles Natur; nur dieses eine Objekt nicht.
Kunst ist eine Erscheinung der Physik, so kommentiert Alicja Zebrowska ihre Installation „Identifiziertes plastisches Objekt” im Strazyska-Tal der Tatra um die Jahrteswende 1992/3. Sagen wir, diesen Faden aufnehmend: Kunst ist Materialisation, eine intelligente Erscheinung der physis. Alicja Zebrowska erinnert daran, daß gemäß der Modell-Vorstellung des kosmischen Ur–Knalls vielleicht 10 Sekunden nach dem Big Bang die Materie erschien. Alles, was ist, ist eine Figuration und Metamorphose der Materie. Auch der Geist, der denkt und schöpferisch in die Materie eingreift, ist eine Modifikation derselben. Diesen Satz können wir als Definition der Kunst ansehen, die darin vielleicht doch eine Schwester der Physik und der physis ist, vom gleichen Geist des Experiments und der Exploration beseelt, dem verkörpert.
In Stanley Kubriks film „2001 – A Space Odyssey” ragt, plötzlich und vermittlungslos, ein absolut regelmäßiger schwarzer Kubus inmitten der urgeschichtlichen Menschen–Horde auf. Es ist derselbe Kubus, der später auch von den Raumfahrern auf einem unbekannten Stern entdeckt wird, doch auch dann, in der fernsten technischen Zukunft, sein Geheimnis behält. Dieser Kubus ist wie das Rohr von Alicja Zebrowska die Epiphanie einer Materie, die materiell ist und doch anzeigt, daß sie artifiziell ist, Geburt einer Intelligenz. Kunst ist Körperarbeit, Arbeit am Körper.